Fangirl

Ich habe ja schon im Dezember 2009 zugegeben, dass ich ein kleines Roxette-Fangirl bin. Vermutlich wird sich das auch nicht wirklich ändern. Und so war für mich ganz klar, dass ich sobald der Termin bestätigt wurde mir auch Karten für das Konzert in Zürich gekauft habe.

Was jetzt folgt ist ein (seehr langer) Fangirlbericht. Wer das nicht lesen will klickt besser nicht auf weiterlesen 😉

Im Juli wurde bekanntgegeben, dass Roxette am 31. Oktober in Zürich spielen sollte. Es war mir sowas von egal, was um dieses Datum herum sonst noch so sein könnte. Es gab zwar auch ein Konzert in Locarno, aber das war ein Festival, wo mich der Rest nicht wirklich interessiert hat und Locarno sind halt auch 100 km. Aber ok. Ich habe zwei Karten bestellt. Irgendjemanden würde ich schon finden, der mitgeht. Am liebsten natürlich meine Schwester. Diese hat dann natürlich auch entsprechend begeistert zugestimmt. Auch wenn sie genausowenig eine Ahnung hatte, wie sie das umsetzen sollte.

2 Wochen vor dem Konzert telefonierten wir noch. Sie musste absagen. Sie hätte am 1. November ein Bewerbungsgespräch und die Flüge sind unglaublich teuer. Sie müsste dann für das ganze Wochende vorher auch kommen und dann auch noch Kind und Mann mitnehmen und eigentlich wäre das voll blöd, weil sie eventuell im Januar umziehen muss und das Haus ensprechend vorbereiten müsse. Alles doof 🙁 und keiner der sich mehr darüber ärgerte als meine Schwester.

Ich suchte auf einem Roxette-Forum nach möglichen Mitgängern. Bzw. wollte ich das tun. Das Konzert war ausverkauft also sah ich gute Chancen, doch auf dem deutschsprachigen Roxette-Forum war die Registrierung gesperrt. Aber Scotty hat sich dann doch angeboten mitzugehen. Er meinte er fände dann schon eine Strafe für mich. Sowas wie: du gehst dann mit auf Wacken oder zum WGT wo wir dann nur seine Bands hören würden.

Der Tag kam, und Scotty war kränklich. Da ich aber zu einer blöden Zeit heimkam hab ich ihn gefragt ob er mich hinfahren kann. Er hatte mir auch einen Zettel geschrieben, mit dem ich meine übrige Karte anbieten konnte. Auf dem Weg entschied er sich um. Er kam doch mit.

Um 17:00 stehen wir also vor der Halle – um 18:00 ist Einlass. Es sind erstaunlich wenig Leute da um die Uhrzeit. Ich hatte ja schon fast befürchtet, dass ich diesmal irgendwo in der Mitte der Halle landen würde. Die Wartezeit ist lang, ich teile mein Sandwich mit Scotty, rege mich über die Raucherin die mir die Zigarette fast in die Nase hält auf. Scotty über die Gesprächsthemen des Typen neben ihm.

Kurz vor Einlass wird uns noch erzählt, was wir alles nicht mitnehmen dürfen und es wird darauf hingewiesen, dass genügend Platz ist und man nicht rennen braucht. ich beeil mich trotzdem, Jacke abgeben, Klo und ab in die Halle. Am Eingang werden uns sogar noch Ohrstöpsel in die Hand gedrückt.  Auch hier sind noch erstaunlich wenig. Wir positionieren uns etwas links von der Mitte und setzen uns erstmal hin. Scotty holt sich noch ein paar Wiener und die Halle füllt sich langsam. Um ca 19:40 stehen wir auf.Vor uns ein Typ, der seine begeisterte Freundin begleitet. Er selbst will sich aber wohl nicht zu ihr in die zweite Reihe stellen und drängt uns damit in die vierte. Seine Jacke riecht nach Zigaretten, Kunstleder und irgendwas anderem ziemlich Ekligen. Na Toll.

Um 20:00 Uhr kommt dann die Vorband *hust*. Es ist ein Einzelkünstler, der ein paar Lieder auf der Gitarre spielt und schwer beeindruckt ist vor so vielen Leuten zu spielen. Seine Sprüche machen ihn symphatisch “Hallo ich bin Bastian Baker und ich bin heute mit meiner  Band hier” (deutet auf die leere Bühne hinter ihm)  Er ist besser als sein Bild auf der Bühne es erwarten lies, aber so richtig Party kommt nicht rüber. Nach 30 minuten ist er auch schon wieder weg.

Das Warten dauert an. Ich zitiere hier mal ein paar Kommentare aus dieser “tollen” Review.

Selbst die Musik, die aus den Boxen strömt, verrät die Richtung und spätestens mit «Unbelievable» von EMF war klar: das Ziel würden die 90er sein

Na und? Natürlich ist das ganze ein Nostalgie-Trip. Das ist die Musik mit der ich aufgewachsen bin, das sind 20 Jahre alte Erinnerungen die mir am Herzen liegen.

Dann geht es los, Roxette enterten die Bühne und … Resignation macht sich breit. «Dressed For Success» klingt nach gar nichts, ist bloss ein so undurchdringlicher, flacher Brei aus Instrumenten, dass manchen Besuchern auf den Premium Plätzen glatt der Spass am Klatschen vergeht.

Eh ja? Auf welchem Konzert war denn dieser Schreiberling? Denn schon vor den ersten Tönen war das Knistern zu spüren. Maries “Yeah Yeah Yeah” kam kraftvoll und die Ohrstöpsel habe ich nicht gebraucht, da die Musik gut abgemischt und nicht zu laut war. Von Einheitsbrei keine Spur. Und vor mir haben die meisten sicherlich geklatscht, gehüpft und mitgesungen.

Marie begrüsst uns und im uptempo gehts weiter:  Sleeping In My CarThe Big L.  dann wirds etwas ruhiger mit Wish I Could Fly um dann gleich wieder schneller zu werden mit Only When I Dream. Dann meint Per dass wir den nächsten Song schon kennen sollten, wenn nicht – so klingt der:  She’s Got Nothing On (But The Radio) das dann übergangslos in Soul deep wechselt. Hiervon wird aber nur der Anfang gesungen. Dann verlässt ein Grossteil der Band, die

zwar routiniert wirkt, aber – mal abgesehen von Per, der sich dauerfreut – eher Langeweile ausstrahlt.

ähja, die Hupfdohle Helena hat ja auch überhaupt keinen Spass und Christoffer schaut ja auch nur drein wie ein Trauerklos und hüpft gar nicht quer über die Bühne und leistet sich mich Per – ach lassen wir das, der Eindruck den der Schreiberling da hat ist einfach grundfalsch.

wo war ich? Ein Grossteil der Band verlässt die Bühne, Marie bleibt mit Christoffer und Pelle zurück und kündigt einen sehr alten Song an, sie sagt, sie hofft dass sie sich an alles erinnert. Es folgt Perfect Day. Hier merkt man schon, dass sie sich schwer tut. Sie hat mehrere Stellen, an denen sie sich für die niedrigere Stimmlage entscheidet. Gut, man bedenke, dass dieses Lied über mehr als 3 Oktaven geht. Ein solcher Stimmumfang ist für geübte Sänger schon gross. Insgesammt wirkt Marie öfter mal steif, die Bewegungen nicht mehr so flüssig, aber hey, die Gute ist über 50 und wer jemand mit einer Gehirnverletzung / Schlaganfall mal im direkten Umfeld hatte, der weiss was sie geleistet hat und wie grossartig es ist, dass sie wieder auf der Bühne steht. Dazu der Bericht:

Ihre Stimme hat hörbar gelitten. Sie singt gewisse Passagen nicht mehr ganz so präzise und man fragt sich, wieso man ihr nicht zwei, drei Backgroundsängerinnen zur Seite gestellt hat, die sie unterstützen.

Sie hat doch eine Backgroundsängerin, die ja sehr wohl in der Lage ist auch alleine ein Konzert zu geben, aber diese macht das was eine Backgroundsängerin machen soll und ist bei Perfect Day auch brav nicht da.Pelle und Christoffer verlassen die Bühne und Per kommt zurück mit einer Akustikgitarre. Es folgt Things Will Never Be The Same, welches mir in dieser akustischen Version schon auf der Tourism sehr gut gefallen hat. Anschliessend kommen die ersten Takte von It must have been love. Das Publikum singt die erste Strophe allein und das ist immer Gänsehaut. Der Rest der Band kommt wieder auf die Bühne und sie spielen das Lied von vorne.Jetzt wirds wieder Temporeicher: Opportunitiy Nox. Hier merke ich, dass ich selbst Textschwierigkeiten habe. Es ist eines der Lieder, die bei mir nicht auf dem Radar sind, weil ich meistens dann doch die Alben direkt höre. Opportunity Nox ist auf einem der (viel zu vielen) Best Off Alben und ich musste feststellen, dass ich es nicht mal auf den Rechner gezogen hatte. Dann kommt 727 bei dem sich Per und Christoffer eine Gitarren-Solo Schlacht liefern. Lustig auch, wie sie sich dann alle ums Keyboard scharen.

«Fading Like A Flower». Marie eröffnet den Song alleine, singt souverän und mit dem für sie typischen Charakter in der Stimme. So weit alles wunderbar. Dann setzt die Band ein und das noch immer undurchdringliche Mus, das sie produziert, ruiniert die Ballade komplett.

Dem ersten Teil schliesse ich mich an. Aber den Teil mit der Band kann ich nicht nachvollziehen. Denn Marie kommt da locker drüber. Aber wer weiss, vielleicht ist die Mischung für die ersten Reihen gut und auf den Premium-Plätzen (wo die Tickets mal über 200 CHF kosten) kommts falsch an. Das ist dann wohl tatsächlich peinlich.Dann wirds wieder ruhiger. Per hat wieder die Akustikgitarre um und fängt an zu singen Crash!Boom!Bang! cool. Marie übernimmt ab der zweiten Strophe. Dann wieder schneller und die Leute werden aufgeforder How do you do mitzusingen. Dann folgt Dangerous.Per stellt die Band vor. “on Bass Magnus and also on this little blue Machine, whats that?” “It’s a synthesiser” “And how does that sound” “deeep” und er haut in die Tasten wo ein paar wirklich tiefe Töne rauskommen.Dann schraddelt Christoffer extatisch auf der Gitarre rum. Es dauert ein paar Takte und der Saal wipt mit und ich hab keine Ahnung was es ist (“Es Buurebüebli mag i nöd”). mir wird ein Ballon in die Hand gedrückt und um mich herum pusten allerlei Leute rum. Nur neben Scotty stehen der Stinker und ein paar weitere Spassverweigerer. Das Lied geht über in Joyride. Ab dem Satzteil “Wonderfull Balloon” toben die Luftballons und Strandbälle durch die Luft.Dann geht die Band von der Bühne ab. Es folgt das, was Per bei seinen Videos als “the Swiss Hiss” bezeichnet. Es ist quasi das Geräusch vor der La Ola Welle, die dann auch durchs Stadion geht als sie wieder zurück auf die Bühne kommen. Sie stellen sich alle nebeneinander und spielen Watercolours in the Rain. Marie hat ihren ersten Texthänger (wir erinnern uns, sie konnte nach der OP erstmal gar nicht mehr reden und musste alles neu lernen). Das Publikum hilft, sie sieht erleichtert aus, wenn sie wieder hineinfindet. Bei Spending my Time und dem darauf folgenden The Look ist wieder Publikumschor angesagt auch weil Marie in Spending my Time den nächsten Texthänger hat. Aber auch der geht vorbei und Nananana ist keine textliche Herausforderung. Wieder verbeugen und ab.Nach weiteren Swiss Hisses kommen sie zurück und Per meint: “we can’t go without playing this one” und es folgt Listen to your Heart. Hier ist Marie wieder sicherer und endet auch kraftvoll auf einer hohen Note. Zuletzt spielen sie noch Church of your Heart. Und dann ist Schluss – nicht ohne, dass Per noch Plektren ins Publikum wirft. Und jemand vor uns hat eine Schweizer Fahne auf die Bühne geworfen, die Per wie einen Lendenschurz vor sich hält, dann über den Mikroständer wirft und am Ende legt sie jemand Marie um die Schultern. Kurz bevor Per und Marie als letzte durch den Vorhang gehen drehen sie noch einmal um und winken zu zweit Arm in Arm. Irgendwie toll dieser kleine Moment.Wir gehen noch am Merchandising-Stand vorbei und holen uns für überteuertes Geld einen Strandball. Auf das Hoodie verzichte ich und die T-Shirts finde ich eher nicht so toll.Ich kann den Anfang der Review:

«Das war das schlechteste Konzert, das ich je gesehen habe», machte sich eine Zuschauerin nach dem Konzert von Roxette Luft.

also überhaupt nicht nachvollziehen. Gut, an manchen Stellen wirkte es auf mich wie eine Neuauflage der Joyride-Tour. Vor allem weil sich manche Arrangements halt so gar nicht geändert hatten.Kommentare von Scotty: “ich habe mich durchaus amüsiert”, “die Musikabmischung war ja Perfekt” (das mach dann den genannten ‘Einheitsbrei’ irgendwie doch bizarrer) und “erstaunlich wieviel besser du die Töne getroffen hast in Gegensatz zu den Umstehenden” (wir hatten ein paar sehr laut sehr falsch singende Leute bei Spending my Time neben uns)Und Per, der schrieb auf Facebook:

Oh Yeah! Super Duper Gig tonight in Zurich. Outstanding crowd (13.000), great great band and Marie…. wow! Thanx for your support and coming to the show! We’ll be back!!!!

Die Bilder sind von Konzertfotos.ch die kleinen Bilder von partyguide.ch