Markentreue vs. Markengeilheit

icona12

Ich hatte ja geschrieben, dass ich mich mit einem Kursteilnehmer im Semesterlehrgang fast angelegt habe. Hier nun die Erklärung:

Am Abend, als wir Zürich by Night fotografiert haben (also schon recht spät im Kurs) stand besagter Teilnehmer neben mir und sah auf meine Kamera. “Du fotografierst mit einer Sony?” “ja” “echt? Das ist aber nicht gut” und merkte dann auch noch an, dass wenn es so Bildchen auf dem Einstellrad gibt, die Kamera ja schon mal nix wert sein kann. Meine Frage, warum das denn so sei, wurde nicht beantwortet. Ich war aber auch zu müde um gross darauf einzugehen.

Bei der Bildbesprechung kam es dann noch, dass eine andere Teilnehmerin ein Bild vorgestellt hat, bei dem die Gebäude gekippt waren, weil sie um die Szene komplett zu erfassen stark in den Weitwinkelbereich gegangen ist. Im Lightroom kann man so etwas korrigieren. Dazu ist es aber nötig anzugeben welches Objektiv verwendet wurde. Angabe war dann “Sigma” und vom Kursteilnehmer kam dann nur ein entsprechend entsetztes “Ah das ist aber nicht gut”

Da konnte ich mir ein “du bist aber schon etwas Markengeil, oder?” nicht mehr verkneifen. Und ich fragte dann, ob die Bilder mit dem Objektiv so viel schlechter seien, oder die, die mit der Sony gemacht wurden. Die Antwort ist er mir weiterhin schuldig.

Ja sicher gibt es Unterschiede. Auch deutlich messbare, die man sieht, wenn man ein Auge dafür hat, und das Bild rausvergrössert auf Plakatgrösse. Aber die meisten Unterschiede fallen bei einer Auflösung von 1024 Pixel nicht auf.

Frägt man mich nach meinen besten Bildern, würde ich vermutlich erstmal einige aus meiner NZ-Zeit nennen, die ich noch mit der Dimage A100 aufgenommen habe, ebenso würde ich einige Bilder, die ich mit der kleinen Nikon gemacht habe, als ziemlich gelungen bezeichnen. Ich böse ich. Und dann benutz ich noch eine Sony mit Tamron-Objektiven. Ich fühl mich richtig schuldig. Komisch nur, dass kaum einer beim Betrachten eines Bildes erkennen kann mit welcher Kamera und welchem Objektiv das Ganze entstanden ist.

Ich habe wirklich kein Problem damit, wenn jemand mir sagt, Nikon ist besser, weil…. [insert sinnvolle Argumente] oder auch ein “ich mag die Canon lieber, ist halt so” Aber so ein “Sony ist schlecht” (ohne Argumente) oder “mit einer kleinen Kamera kann man keine guten Bilder machen” kann mich dann doch gut auf die Palme bringen.

Ich bin trotz aller Unkenrufe der Sony treu geblieben. An Weihnachten lag die Alpha 99 unter dem Baum. Nicht, dass ich nicht versucht hätte auf die angeblich so viel besseren Marken zu wechseln. Die Canon hat mir Handkrämpfe besorgt und die Nikon habe ich gleich mal ausgeschaltet, weil das Einstellrad nicht da war, wo es für mich ergonomisch hingehört hätte, statt dessen war dort der Ein-Aus-Knopf. Der bei Sony leider auch an eine ähnliche Stelle gewandert ist, aber irgendwie bekomme ich dort keine Probleme. In dem Fall sag ich einfach mal: “Sony ist für mich die passende Kamera”. Klar, kann ich auch noch argumentieren, dass ich so meine Objektive weiterverwenden kann. Was ja die Intension der Kamerahersteller ist. Hätte ich jetzt nur Schlechtes über die Sony gelesen, hätte ich mir das auch noch dreimal überlegt, aber ich habe inzwischen einige sehr positive Rezensionen (auch von Profis) gelesen, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich da keinen Müll habe.

 

Das Beste war dann übrigens, dass Mr. “Sony ist doof” mit seiner tollen Canon EOS 5D Mark III seine Fotoreportage ordentlich verhunzt hat, weil er beim Fotografieren Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen Lichtquellen hatte und es dann versucht hat mit Photoshop (sehr laienhaft) zu retten.  Ja ich gebe zu, das ist fies, aber so ein bisschen Schadenfreude kam dann doch auf.