eine neue Sucht

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Ich fürchte, ich habe eine neue Leidenschaft, oder Sucht oder so. Und sie nennt sich “Tragetücher”

Schon mit 16 auf dem Kaltenberger Ritterturnier habe ich mich an Eltern mit Kinderwagen gestört und dachte damals schon, dass es doch auch Möglichkeiten gibt Kinder tragend durch eine derartige Menge zu bringen ohne ständig irgendwelchen Leuten (=mir) über die Füsse zu fahren. Das Gleiche galt dann auch für ÖV und Co.

Gut, zu dem Zeitpunkt war mir natürlich nicht bewusst, dass man, wenn man mit Kind unterwegs ist, ein bisschen mehr mitnehmen muss, als so für sich alleine, aber ganz revidiert habe ich die Meinung nicht so schnell. Aber angepasst mit der Zeit natürlich schon.

Als ich dann selbst Schwanger war, kam die Frage dann doch wieder auf und inzwischen war meine Meinung natürlich auch angepasst. So ein Kinderwagen hat sicherlich auch seine Vorteile, aber ich sehe noch immer genügend Situationen wo es sicherlich von Vorteil ist das Kind in einer Tragehilfe dabei zu haben. Allein schon der schon erwähnte ÖV und die Erfahrung die ich mit einem Vater im Rollstuhl wo man ja auch immer nach Rampen etc. suchen muss.

Ich wusste von Kyralla, dass sie ihre Tochter fast immer im Tragetuch dabei hat und habe mich entsprechend mal umgeguckt und bin über viele schreiend bunte Tücher gestolpert. Jetzt bin ich ja nicht diejenige, die gerne in Regenbogenfarben rumläuft und ich denke auch Scotty hätte damit seine Probleme. Aber es gibt ja dann doch auch etwas gedecktere Farben.

Im Geburtshaus habe ich mir am 2. Tag schon zeigen lassen, wie ich meine Tochter tragen könnte. Auch gab es dort eine Auswahl an Tragetüchern, mir wurde aber gesagt, dass ich doch besser das längste Tragetuch nehmen sollte, weil ich ja nicht so klein bin. Und auch Scotty ist ja nicht der Kleinste. Also habe ich dann fröhlich im Internet bei Didymos bestellt.  Schon 2 Tage später (passend zum Besuch der Schwiegereltern, die das Tuch finanziert haben) kam es an. Nur mit dem Binden klappte das nicht so gut. Also rief ich am nächsten Tag die Trageberaterin an, die auch die Kurse im Geburtshaus machen würde. Nachdem D. aber erst 9 Tage alt war, beschloss sie die Beratung bei uns zu Hause zu machen. Wir wickelten was das Zeug hält und inzwischen haben wir es ziemlich gut drauf.

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Das geht also schon gut. Die Kleine mag’s gerne und wir können mit freien Händen rumlaufen. Aber die Länge… mit 5,2 metern ist das ziemlich viel Stoff. Und wenn wir dann zum Auto gehen müssen ist das ziemlich viel Gewickel und das für nur 3 Minuten um dann wieder auszuwickeln und dann im Laden wieder neu binden.

Es dauerte also nicht lange und wir legten uns einen Ringsling von Hoppediz zu. Da steht zwar häufig dabei, dass man ihn erst ab 12 Wochen (bzw. dann wenn das Baby den Kopf selbst halten kann) verwenden sollte, aber inzwischen sind wir schlauer, denn es geht auch von Geburt an vor dem Bauch (Videoanleitung). Ich verwende ihn sehr gerne eben auf dem Weg zum/vom Auto und im Supermarkt, also dort wo wir nicht so lange unterwegs sind und ich nicht so gerne habe, dass die Enden im Dreck liegen.

Praktisch ist er auch für Kleinkinder die zwar schon laufen können, aber eventuell müde sind und doch lieber auf den Arm wollen. Als Entlastung für Elternarme also. Hier ein Bild von meiner Nichte (2) im Sling bei einer Bergwanderung:

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Und dann kam das Tragen im Grünen. Dort liefen viele Mamas mit Mei Tais rum, was ich an sich jetzt auch nicht schlecht finde, aber auch alle die ein Tuch hatten, hatten nicht so ein Monstrum wie meines, das dann auch schnell wieder im Dreck landete (Stillpause etc.). Also kam der Wunsch nach einem kürzeren Tragetuch auf. Nachdem ich gesehen hatte, dass im Geburtshaus die Tragetücher zum halben Preis rausgeworfen wurden, bin ich dort dann nochmal hin und habe mir das nächste Tuch (diesmal von Lana) geholt. Leider war das auch 4,4 m aber auch das ist schon eine Verkürzung gegen das alte Tuch. Dazu bietet es mir die Möglichkeit ein weiteres tolles Tuch zu kaufen, oder einen MeiTai oder…

Hier mein neues Tuch:

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und hier noch ein paar Impressionen vom Tragen:

die Kleine schläft gemütlich im Tuch: (ich brauche nicht weit gehen und die Äuglein sind zu, wenn sie müde ist)

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Über Stock und über Stein, wo man mit dem Kinderwagen gar keine Chance hat. (Sessellift fahren geht übrigens auch).

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und dann noch eine Rückansicht. Das graue Tuch ist lang genug, dass ich die Enden nach vorne bringen kann und dort knöpfen kann. Beim Schwarzen ist der Knopf hinten:

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Wer bis hier durchgehalten hat: Infos zum Tragen gibt es auf den verlinkten Seiten. Hier noch ein weiterer Link, weil mir das bei der Trageberatung so dermassen aufs Auge gedrückt wurde:

Warum nicht mit dem Blick nach vorne? (nur weil Hersteller damit werben, heisst es nicht, dass es gut ist, wobei hier vermutlich auch die Dosis eine Rolle spielt)

Übrigens: mit einem Tuch kann man hoch genug binden, dass das Kind über die Schulter gucken kann, bei vielen Tragehilfen guckt das Kind auf die Schulter und das verführt dann zum Tragen vor dem Bauch mit dem Blick nach vorne. Besser also auf der Hüfte oder eben hoch genug.