Selfies

Seit einem Jahr bin ich nun bei der Fotogruppe Blende 11 dabei. In der Gruppe gibt es pro Jahr 6 Termine von denen 2 zum gemeinsamen Fotografieren sind und die restlichen 4 zum Bildbesprechen etc. zur Verfügung stehen.

Jedes Jahr gibt es ein festes Thema, das von den Gruppenmitgliedern bearbeitet wird. Ziel dabei ist, auch einmal Sachen zu machen, die man sonst eventuell nicht macht oder ein Thema zu vertiefen.

Letztes Jahr war es sehr passend zu dem von mir belegten Lehrgang die Portraitfotografie auf die ein Auge geworfen wurde. Vor zwei Jahren wäre Portraitfotografie noch mein totaler Horror gewesen. Wobei, ganz stimmt das nicht. Denn machen wollte ich es schon immer, aber zum einen gibt es da immer den rechtlichen Aspekt, wenn ich die Bilder online stellen möchte und zum Anderen dachte ich, ich würde niemals Leute finden, die sich freiwillig vor meine Kamera stellen. Aber da habe ich ja doch weit gefehlt.

Zusätzlich zu den Fototagen gab es eine Jahresaufgabe, die mein ganz persönlicher Horror war: Selfies!

Ich mag ja schon eh sehr wenige Bilder die mich zeigen gerne. Ich muss dazu in der richtigen Stimmung sein und mich mit dem Fotografen gut verstehen, am besten bekomme ich noch sehr genaue Anweisungen, dann klappt das manchmal.

Wenn ich mich selbst fotografieren muss, geht es erst recht schief. Ich habe ja keine Ahnung wie es aussieht, kann mir also auch keine Anweisung geben, und meistens schaue ich dann aus, wie das Kaninchen vor der Schlange, oder ich habe die Augen zu, weil ich weiss, dass es jetzt blitzt.

Aber gut, man sollte sich der Aufgabe stellen. Jeden Monat ein Selfie. Hm. Da ich im April meistens kotzend durch den Tag kommen musste, hatte ich keine zündende Idee. Und der Monat verging ganz ohne Selbstbildnis. Erst im Juli habe ich tatsächlich mal ein Stativ gebaut (mein eigentliches war im Umzugskarton ganz tief unten drin) und habe eher für andere als für mich erst ein Tragefoto und dann ein Bauchfoto gemacht. Den August und September habe ich selfiemässig ignoriert und Ende Oktober nochmal ein Kugelbauchfoto gemacht, aber auch hier ohne richtig Mühe zu machen, einfach im Bad. Im November hatte ich anderes zu tun, aber auch nochmal einen Fototag an dem nochmal dran erinnert wurde, dass wir im Januar ja die Selfies angucken würden.

Der Dezember kam, und ich wollte wirklich loslegen und dann zumindest jeden Tag ein Selfie machen. Aber ich war noch immer ohne Konzept. Ein Besuch bei der lieben Moni brachte zwar ein paar Ideen, die aber eben besser über ein ganzes Jahr gegangen wären. Ich war also noch immer planlos. Und hatte zwar ein paar Bilder, aber sie waren weder schön, noch hatten sie ein Konzept, noch waren sie fotografisch anspruchsvoll.

Das konnte ich ja nu wirklich nicht herzeigen in einer Fotogruppe, wo manche wirklich superschöne Bilder machen.

Am Wochenende vor dem Termin kamen die ersten brauchbaren Ideen. Nur umsetzen müsste ich sie ja auch noch. Und welche davon und wie? Der Dienstag kam und ich hatte noch immer keine Fotos.

Also gut. Auf dem Weg vom Zwergensprachekurs nach Hause – es war also ca 16:30 (um 19:15 war der Abend) –  kam mir die Idee mit den Plakaten. Von der “who needs feminism”Kampagne bei der Leute Schilder hochhielten warum sie Feminismus brauchen, und der absolut dämlichen Gegenkampagne der AfD, die behaupteten für ihre durch den Feminismus erzielte Position keinen Feminismus zu brauchen. Themen die im vergangenen Jahr durchaus präsent waren.

Also Plakate. Aber nicht feministisch, sondern etwas über mich Aussagendes. Ich malte also ein paar Schilder (es war inzwischen 18:00 und ich fürchtete um mein Stativ, dem Absturz durch Kleinkindturnerei drohte) und letztendlich wurde es diese Serie von drei Bildern.

Und irgendwie waren die Reaktionen positiv.

 

Aber ihr hättet mal die anderen Bilder sehen sollen. Dagegen waren meine fotografisch echt überhaupt nix. Vielleicht sollte ich das nochmal üben.