*schäm*

Gestern sass ich im Zug auf dem Weg zum Streetfoodfestival nach Zürich. Herbstmädchen auf dem Rücken und das Frühlingsmädchen einfach so dabei. Um die Zeit zu überbrücken habe ich die Blick am Abend durchgeblättert. Darin auf zwei Seiten rausvergrössert das Bild von dem Kind am Strand, das wohl inzwischen jeder gesehen hat und in vielen sehr viele Emotionen freigesetzt hat.

Der Kommentar vom Frühlingsmädchen war “Sand”. Ihr war nicht klar, was sie da sieht. Ein Kind, dass im Sand liegt. Ihr ist nicht bewusst, was es mit diesem Kind auf sich hat. Für sie ist Sand Spielzeug, die See etwas zum Plantschen und die Füsse nass machen. Nicht der Ort, wo Papa ertrunken ist, oder das Geschwisterchen über Bord geworfen wurde, weil es zu laut geschrien hat. Nicht der Ort, der für so viele zum Grab geworden ist. Sie hat das Glück in einem Land geboren zu sein, wo Frieden der Normalzustand ist, wo man nicht ständig Angst um das Leben der Nachbarn, der Eltern oder der Geschwister haben muss. Sie kann unbeschwert leben.

Um so schlimmer ist es doch, dass den geflohenen Menschen an manchen Orten hier nebenan noch immer Hass entgegenströmt. Dass es Leute gibt, die zu den vielen Toten nur sagen “gut, dann kommen sie nicht hier her” oder “Die Situation für die ja bloss nicht angenehm gestalten wollen, damit nicht noch mehr auf die Idee kommen hierher zu kommen”. Naja, die Idee ist natürlich nicht schlecht, dafür zu sorgen, dass die nicht hierher kommen wollen. Aber doch bitte vom anderen Ende. Denn die eigene Heimat verlassen ist ganz sicher nicht der oberste Wunsch der Menschen dort. Wenn die Heimat ein Ort ist, an dem man unbeschwert leben kann, ist der Wunsch das Land zu verlassen ja auch direkt viel geringer. Wenn sie es schon “hierher” geschafft haben (wo auch immer “hier” ist) sollten sie doch bitte ihre Würde bewahren können.

Und dann stehe ich da und schäme mich, dass ich noch nichts getan habe. Dass ich mir zwar jedes Mal wieder vornehme von meinem Reichtum abzugeben und mich nicht entscheiden kann, wem ich helfe. Früher war das einfach. Ich spendete kein Geld, ich spendete meine Zeit bei der Feuerwehr, aber da bin ich eben nicht mehr.

Ich suche also derzeit für mich Möglichkeiten zu helfen. Leider habe ich fast nur Informationen aus Deutschland. Die Flüchtlingshilfe Schweiz hat die grandiose Idee der WG mit den Asylsuchenden. Leider noch nicht in meinem Kanton. Denn ein Zimmer hätte ich noch übrig. Die Zentren hier in der Nähe brauchen grad keine Kleidung und weitere Sachen mehr, denn anscheinend bin ich nicht alleine mit meinem Hilfswunsch. Was nötig ist, ist Wohnraum und Begleitung. Daher werden wir uns am Montag beim SRK melden und uns für das “Mitten unter uns” Projekt melden. Da kann man als Gastgeber den Kindern ein paar Stunden in der Woche bieten. Denn Zeit habe ich ja, solange ich sie nicht alleine sondern mit meinen Kindern geben kann.

Und für Kathrin möchte ich auf das Projekt Blogger für Flüchtlinge hinweisen. Dort findet ihr eine ganze Menge Links mit Möglichkeiten in Deutschland um zu helfen.

 

Auf dem Rückweg verzögerte sich die Einfahrt in unseren Bahnhof, wegen einer (nicht angemeldeten) Demonstration. Mann könnte es als positiv sehen, dass es gegen den Fremdenhass ging, aber ob damit den geflohenen Menschen geholfen ist?