genäht: Ein Mantel für mich – Teil 1

Vor langer Zeit, so während meinem Studium in Nürnberg war ich einmal im Müller. Das kam vor, so DVDs oder CDs oder auch schlicht Schreibkram etc. Dort sah ich einen Menschen mit einem sehr coolen Mantel. Schwarz, knöchellang, tailliert, einfach toll. Ich bin eigentlich die letzte die sich traut jemanden anzusprechen, doch ich ging auf die Person zu und wagte es tatsächlich zu fragen, woher dieser tolle Mantel stammte. Die Antwort: “den hat mir eine Freundin genäht.”
Na klar. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht wirklich genäht. Ich konnte es, weil ich es als Kind von meiner Mutter gelernt habe. Für Mittelaltermärkte etc. hatte ich mir was zusammengebastelt – das Meiste davon auch mit meiner Mutter – aber wirklich viel genäht habe ich da nicht. In Hochachtung vor den Nähkünsten der unbekannten Freundin bedankte ich mich.

Viele Jahre später meinte ich, dass nähen ja schon so ein Skill ist, den ich gerne besser drauf hätte. Und dann tat ich das einfach. Ich nähte für meine Kinder, für mich, meine Frau. Ich bin aktiv in Facebook-Gruppen und auch im Forum gab es eine Kreativ-Ecke wo sich ausgetauscht wurde. Und wenn immer die Frage auftauchte, was jemand denn nähen könnte, weil ein Nähkurs geplant war, war meine Antwort: “ein Mantel” Ich hatte einen Heidenrespekt davor, würde mich nicht trauen das ohne Hilfe zu machen.

Aber ich lernte by doing. Meine Projekte wurden etwas aufwändiger und dann gab es im Herbst? einen Aufruf zum Probenähen für den Mantel Ember. Wow, der war jetzt nicht knöchellang, aber er gefiel mir gut. Nach dem Stress mit den schlichten Shirts letzten März und der nicht unerheblichen Menge an Stoff und sonstigen Material das für so ein Probenähen drauf geht verzichtete ich. Eine Fleecedecke, die den ersten Versuch hätte machen müssen hatte ich auch nicht und auch sonst keinen wirklich passenden Stoff im Fundus. Als das Schnittmuster dann raus kam, holte ich es mir zum Einstiegspreis.

Die Idee:
Ich gehe oft spazieren. Im Winter fällt das oft in eine Zeit in der es dunkel ist. Mein Wintermantel ist alt und dunkel. Mein anderer Wintermantel ist sackig und dunkel. Überhaupt sind Jacken aus Funktionsstoffen oft eher sackig und die eleganteren halt aus Wolle und weniger Funktion. Dazu will ich gesehen werden. Also bin ich auf die Idee gekommen mir den Mantel aus Softshell zu nähen und damit ich gesehen werde habe ich beschlossen die möglichen Akzente aus reflektierenden Stoff zu machen und reflektierende Paspeln einzusetzen. Und so gab es eine teure Bestellung – die noch viel teurer geworden wäre, hätte ich mich für Mantelwolle oder so etwas entschieden.

eine getigerte Katze mit weisser Brust und weissen Pfoten liegt auf einem Tisch auf dem Papier. Neben der Katze liegen Säckchen zur Beschwerung vom Papier sowie zwei Scheren und ein Rollschneider. Im Hintergrund ist ein Drucker und Lineale zu sehen.
Helferin eins

Der Start:
Die Lieferung verzögerte sich, denn der Softshell war nicht vorrätig. Als sich das Paket dann ankündigte machte ich mich ans Ausdrucken und Abpausen vom Schnittmuster. Mit Hilfe meiner Katzen. Ich habe eigentlich drei Grössen und entschied mich einfach für die Mittlere. Was aber für mich den grössten Reiz am selbst nähen ausmacht: Ich kann die Länge an meinen überlangen Körper anpassen. Also gab es eine Verlängerung des Mantels und der Ärmel. Das musste natürlich geprüft werden ob die Länge so passt. Also habe ich tatsächlich einen Probemantel genäht – nicht aus einer Fleecedecke sondern aus einem normalen dünnen Stoff.

Ein weisser Mantel an einer Schneiderpuppe. Die Schnittkanten fransen aus. Im Hintergrund ist das Chaos meiner Wohnung zu sehen.
Testmantel. Sieht ja schon mal ganz gut aus.

Bevor ich mich an den Hauptteil des Mantes wagte, habe ich zunerst die Akzente ausgeschnitten. Der reflektierende Stoff war unglaublich rutschig, so dass die Katzen echt keine Lust hatten zu helfen.

Ein Tisch auf dem eine rosa Schneidematte liegt. Darauf liegt grauer Stoff mit schwarzen Streifen. Ein Teil ist gefaltet, das die Unterseite zu sehen ist. Darauf liegt ein Schnittmusterteil das mit grünen Säckchen beschwert ist. Dazwischen liegt ein roter Stift. Auf dem Stoff ist ein Rand um das Schnittmuster zu sehen. Im Hintergrund auf dem Stoff liegt ein Lineal und eine Anleitung.
Einmal auf Rutschstoff zeichnen.

Immerhin sind auf dem Stoff die Linien gut zu sehen. Letztlich stellte sich heraus, dass sie dort überhaupt nichts bringen. Ich habe die Teile in kleinen Schritten zugeschnitten. Irgendwann war ich dann auch damit fertig.

Eine rosafarbene Schneidematte auf der Zuschnitte aus dem grauen Stoff mit schwarzen Streifen liegen. Rechts im Bild ein Rollschneider, im Hintergrund ragen ein Scherengriff und ein Lineal ins Bild.
Fertig zugeschnitten

Der reflektierende Stoff ist sehr dünn. Zum Glück hatte ich von einer Bekannten einen Haufen Stoff, den sie als “Softshell-Futter” bezeichnet hatte. Er war tatsächlich in etwa so dick wie der Softshell aber ohne die Aussenschicht. Ich habe dann diesen Stoff als quasi Futter verwendet. Also durfte ich die ganzen Teile noch einmal ausschneiden. Die Katze fand das schon viel besser.

Ein Tisch auf dem ein anderer grauer Stoff liegt. Eine schwarze Katze sitzt auf dem Stoff und blickt in die Kamera. Im Vordergrund liegt ein Stapel Zuschnitte mit Klammern. Im HIntergrund an der Wand sieht man die unteren Ränder von zwei Gitarren und drei Zeichnungen von Kindern.
Was?

Weil der Reflektorstoff so rutschig ist, habe ich mir mit doppelseitigem Klebeband geholfen um die Schnittteile miteinander zu verbinden bevor ich sie zusammengenäht habe.

Eine rosafarbene Schneidematte mit einem stück grauen Stoff. Auf dem Stoff sind drei weisse Klebestreifen verteilt. Im Hintergrund eine Schere, zwei Säckchen und Stoffreste.
Klebestreifen

Dann ging es einmal aussenrum und meine Akzentteile waren fertig. Die Katze war skeptisch

eine Schwarze Katze liegt auf einem grauen weichen Stoff. Sie guckt auf ein Schnitteil aus dem grauen Stoff mit schwarzen Streifen, das mit Klammern auf den weichen Stoff befestigt wurde.
ich halte mich von dem rutschigen Zeug fern

Ich höre hier mal auf, Im nächsten Teil geht es dann an den Hauptteil vom Mantel.